Dänisches Streicherglück

11 May 2017 / DrehPunktKultur, 10.05.2017

Dänisches Streicherglück

 “The Danish String Quartet“ gastierte am Dienstag (9.5.) zum ersten Mal in Salzburg im Kammermusik-Stiftungszyklus im Wiener Saal, zu ihm gesellte sich noch der Klarinettist David Orlowsky. Ein exquisiter Konzertabend auf hohem musikalischen Niveau.

Die Freude und Intensität, mit der die jungen Dänen ans Werk gingen, sprühten Funken in die Zuhörerschaft, die jedes Stück mit vielfachen Bravorufen und begeistertem Applaus quittierte. „The Danish String Quartet“ zeichnet eine spezifische Klanglichkeit aus, die sich als edle, beflügelte und gleichzeitig warm füllige Tonqualität definieren lässt. Die breite dynamische Palette bewegt sich von filigran schwebender Tongebung bis zum vollmundigen Klingen in großer Ausdrucksintensität, die aber stets dem kantablen „Wohlklang“ verbunden bleibt. Die jungen Musiker sind zudem federnde Rhythmiker, voller Temperament und Feuer, mit unverbrauchter Freude am hingebungsvollen Spiel, aber auch von sensibler Zartheit und Delikatesse. Alle vier profilieren sich auf Augenhöhe mit ihren solistischen Qualitäten, die sie zu einem homogenen Gesamtklang verschmelzen.
Das Quartett C-Dur op.20 Nr. 2 von Joseph Haydn, 1172 komponiert, stammt aus den sechs sogenannten „Sonnenquartetten“, die ihren Namen rein zufällig aus der aufgehenden Sonne auf dem Titelblatt der Erstausgabe abbekommen haben. In der Wiedergabe der Dänen zeigt sich die Nr.2 als ein charmantes Musikstück, das unmittelbar anspricht. Das Cello spielt eine bevorzugte Rolle, bleibt aber dennoch dem balancierten Miteinander verpflichtet. Das auftrumpfende Unisono gibt dem Adagiosatz den Kern und geht in einen fein singenden Ausdruck über. Das tänzerische Element im Menuett weckt beinahe Dudelsack- Assoziation und eine ungewöhnliche Fuge eilt mit vier verschiedenen Themen dem Ende zu.

Als Spezialität der Dänen folgen mehrere Bearbeitungen nordischer Volksmusik, die das Quartett inzwischen als eine Art Image begleiten. Der Primgeiger gibt zu jedem Stück eine erläuternde Moderation. Es sind traditionelle Weisen, die für Streichquartett arrangiert werden. Die Ideen dazu bringen die Streicher selbst ein, für die Spontaneität des Augenblicks bleibe immer noch die Tür offen, heißt es erklärend. Es sind norwegische Walzer, Märchenstücke, das Menuett eines Fiddlers im 18.Jahrhundert oder eine Melodie über einen Inselbewohner. Es ist eine Mischung aus klassischem Anspruch, Volksmelodik und modernem Touch. Die vier Musiker spielen mit Verve, mit Hingabe, mit rhythmischer Prägnanz und melodischen Bögen.

Der Zauber springt auf die Zuhörer über und spinnt sich fort im anschließenden Klarinettenquintett in h-Moll op.115 von Johannes Brahms. Der Klarinettist David Orlowsky integriert sich als Solist ins gut tarierte Miteinander, tritt im Adagio solistisch hervor im Dialog mit jeweils einem Streicher. Er besticht mit reinem Ton und Ansatz und mit der guten Korrespondenz und Einfühlsamkeit mit den Streichern. Gefächerte Rhythmik, feine Kantilenen in leiser Melancholie und Lyrik bringen die Interpreten zu schöner Wirkung. Die singenden Qualitäten kommen hier besonders zum Tragen. Die Brahmsischen ungarisch folkloristischen Farben schälen die fünf Kammermusiker mit flottem Zugriff, rhythmisch akzentuiert und fantasievoll heraus. Das Zuhören wird zum herrlichen Genießen.

Elisabeth Aumiller