Streichquartett aus Dänemark wie Popstars bejubelt

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14 May 2017 / Hamburger Abendblatt 12.05.2017

Streichquartett aus Dänemark wie Popstars bejubelt

Ob Volksmusik oder Werke von Haydn und Brahms: Dieses Hamburg-Debüt war ein Hit

Hamburg. Die Hamburger Kammermusikfreunde sind eigentlich nicht unbedingt für ihren jugendlichen Übermut bekannt. Doch das Danish String Quartet feierten sie schon zur Pause mit dem Jubelpegel eines Popkonzerts. Kein Wunder bei einem so hinreißenden Auftritt, der Musizierlust und künstlerischen Ernst vereinte.

Die vier Skandinavier – bilderbuchmäßig blond und mehrheitlich bärtig – nutzen die wohnzimmerhaft intime Akustik im Kleinen Saal der Elbphilharmonie, um die Klangschattierungen und Stimmungswechsel in Haydns C-Dur-Quartett op. 20,2 mit einer Fülle feinster Nuancen auszuleuchten: den sehnsuchtszarten Gesang des Cellos im Adagio, mit seinem neblig verhangenen Ton, oder das virtuose Blitzen im Finale, dessen huschende Motive die Streicher luftig und präzise aus den Saiten zauberten.

Wer sich bis dahin noch nicht voll­ends in die vier sympathischen Wikinger verschossen hatte, tat das spätestens beim zweiten, für einen klassischen Quartettabend ziemlich ungewöhnlichen Programmpunkt mit dänischen Volksmusikarrangements. Kaum möglich, sich dem Charme dieser Melodien zu entziehen, in deren heiterem Klang mitunter eine sanfte Melancholie mitschwingt. Dieser schlichte Ton kann einen zu Tränen rühren, wenn er so unaufdringlich, so schön gespielt und gestrichen wird wie vom Danish String Quartet – angeführt vom Ersten Geiger Rune Tonsgaard Sørensen, der die Stücke anmoderierte und seine Guadagnini-Violine bei den Tanznummern kurzerhand in eine imaginäre Fidel verwandelte. Partylaune im Kleinen Saal.

Nach der Pause kehrten die Interpreten dann aber zum traditionellen Kammermusikrepertoire zurück. Gemeinsam mit David Orlowsky als Gast tauchten sie in die romantische Klangwelt des Klarinettenquintetts von Brahms ein, säuselten die Liebesschwüre im ersten Satz betörend süß und durchlebten die Ausbrüche im zweiten, in dem ein ungarisches Feuer aufflammt, bevor sie das Stück schließlich sanft in die Stille entschweben ließen.

Da waren ihnen die Herzen der Hörer längst zugeflogen. Am liebsten hätte man die Musiker gleich nach Hause mitgenommen, damit sie da einfach immer weiterspielen.

Was für ein tolles Debüt. Bitte ganz schnell wieder einladen!

Marcus Stäbler